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Flucht und Vertreibung
Kurzurlaub 2003 in Leisnitz
Kurzurlaub 2006 in Leisnitz

     
Das Elternhaus um 1945

Unsere Flucht, Heimkehr und Vertreibung aus Leisnitz

Am Morgen des 17. März 1945, einem Samstag, begann unsere Flucht.
Mit einem von Kühen gezogenen Fuhrwerk verließen wir gegen 8:30 – 9:00 Uhr unser Elternhaus in Leisnitz, Niederdorf Haus Nr.62 (Oberschlesien, Regierungsbezirk Oppeln).
Vater meinte: „... bis in den Stadtwald hinter Leobschütz. Wir lassen die Front über uns rollen und fahren wieder nach Hause“.
Es kam alles anders!
Unser Dorf war menschenleer. Alle Nachbarn waren schon weg. Vor einer Stunde hatte Vater noch mit seinem Verwandten und Freund Eduard Krautwurst gesprochen. Der wollte in Richtung Oberglogau fahren. Ohne es zu wissen, fuhr er den Russen entgegen. Er kehrte nicht mehr nach Leisnitz zurück.
Vor unserer Abfahrt kam noch Onkel Franz Raser und brachte uns Tante Marie. Wir sollen sie mitnehmen, er bleibe zu Hause. Wir haben ihn gebeten, unser zurückgelassenes Vieh zu versorgen. Eine Stunde später war er schon erschossen!
Die Treck-Kühe bekamen ein Kreuzzeichen vor die Hufe gekratzt, wir Familienmitglieder bekreuzigten uns mit Weihwasser. Oben in den Hausgiebel, hatte Vater unsere Marienfigur gestellt.
Also fuhren wir in Gottes Namen: Vater (64 Jahre), Mutter (47 Jahre), die großen Schwestern Martha u. Hedwig, die kleinen Schwestern Maria und Elisabeth, und ich (12 Jahre alt), sowie Tante Marie 69 Jahre.
Wegen der langen Winterzeit im Stall, waren die Kühe sehr unruhig vor dem Wagen. Nach ca. 300 m passierte das erste Unglück. Ich hatte in einer Kurve, mit der rechten Vorderradnabe einen Stein gerammt. Die Deichsel war gesplittert.
Mit Vaters Hilfe wurde sie repariert, und es konnte weiter gehen. Vorbei an der Kirche. Der Pfarrer Besuch war schon am Vorabend gefahren. Das Allerheiligste hatte er mitgenommen und das ewige Licht brannte nicht mehr.
Am Denkmal konnte man ganz deutlich aus dem Oberdorf von der Militscher Straße her Geräusche von Panzerketten hören. Wir fuhren die Stadtgasse hoch. Wir haben keine Menschenseele mehr gesehen. Leisnitz war ein Geisterdorf geworden. Jetzt erst fiel uns ein, dass wir unsere Gasmasken vergessen hatten. Unsere Martha, die Älteste, fuhr mit dem Fahrrad zurück. Sie hatte noch die Nerven, ein Glas eingemachter Süßkirchen leer zu essen. Vor Sabschütz hat sie uns wieder eingeholt.
Dort trieb uns ein deutscher Soldat, der Einzige, den wir an diesem Morgen gesehen haben, zur Eile an. Hinter uns hat er die Brücke gesprengt.
„ a klenens Brückla war weg “!
Durch den Lärm wurden offenbar Russen auf uns aufmerksam, denn nun wurde unser Fuhrwerk beschossen. Gott sei Dank pfiffen die Kugeln alle über unsere Köpfe hinweg, keine Treffer. Die Kühe reagierten einiges schneller als wir: Die Schwänze steil in die Luft rannten sie wie wild in Richtung Sabschütz, wir hinterher. Glück gehabt - wir waren noch mal davon gekommen!
In Sabschütz bogen wir rechts ab.
Es ging über Schlegendorf nach Schmeißdorf, Kreuzendorf, vorbei am Hof von Verwandten. Auf dem verlassenen Hof brüllten die Kühe im Stall, die Milch drückte im Euter. Gegen Abend erreichten wir Roben.
Hier waren noch alle Einwohner da. Gleich am Ortseingang, in Fahrtrichtung links, bekamen wir Unterkunft, in einer Scheune bezogen wir Quartier.
Jetzt waren auch deutsche Soldaten da. Sie drängten alle Fuhrwerke von der Strasse. Wir waren eingeklemmt. Nach vorne ging nichts mehr – nach hinten war der Weg versperrt. Des Nachts ging auf einmal das russische Artillerie-Feuer los. Durch das hintere Scheunentor konnten wir sehen, wie Leobschütz lichterloh brannte. So ein gewaltiges Feuer habe ich nie wieder gesehen.
Als es hell wurde, keiner von uns hatte geschlafen, wurden die Kühe versorgt. Wir hatten drei mitgenommen, so hatten wir immer eine zum Wechseln. Es wurde etwas Kaffee gekocht und Butterbrote geschmiert. Ich wollte mit unserem Zinkeimer aus dem Ziehbrunnen im Hof Wasser holen. Beim Runterlassen löste sich der Eimer vom Haken und war weg. Wir hatten so viel zurückgelassen, jetzt tat´s uns um den Zinkeimer leid. Ob er noch im Brunnen liegt?
Bald ging es weiter, aber ab jetzt nicht mehr alleine. Es waren viele Fuhrwerke auf der Straße. Wir fuhren durch Dobersdorf und Pilgersdorf nach Burgstadtel in Richtung Süd-West. Dort verbrachten wir drei Nächte und zwei Tage auf einem Anwesen, wo wir freundlich aufgenommen wurden. Wir durften sogar die Küche benutzen.
Soldaten hatten ein Rind angefahren. Es durfte geschlachtet werden, was sonst strengstens verboten war.
Es war wohl besser die Russen bekamen alles! So war die Zeit.
Das Fleisch von dem geschlachteten Rind wurde christlich geteilt, es wurde sogar gewurstet.
Jetzt fingen auch die Bewohner von Burgstadtel an zu packen, Wertsachen wurden im Wald vergraben.
Die russische Front war für ein paar Tage zum Stillstand gekommen. Unsere Martha, schon immer die Mutigste, fuhr mit ein paar anderen Mädels mit dem Fahrrad zurück bis Königsdorf. Abends war sie zurück und wusste zu erzählen, dass Leisnitz fest in russischer Hand sei und dass ein alter Mann im Niederdorf erschossen wurde. Wie wir später erfuhren, war das unser Raser-Onkel.
Nachdem wir uns etwas erholt hatten, fuhren wir am Mittwoch, den 21. März 1945, morgens wieder los. Wir wussten nicht wohin. Einfach den Anderen nach und weg von der Front, meist Richtung Westen, später in Richtung Süden (heutige Tsch. Rep.).
Über Raden und Zietenbusch an Jägersdorf vorbei über Weißkirch, vorbei an Lichten über Aue bis Benisch. Heute weiß ich nicht mehr genau, in welchem Ort wir übernachtet haben. Alle Bewohner waren hier noch zu Hause. Es waren wunderschöne und reiche Ortschaften. Die Leute dachten im Traum nicht daran, dass sie das gleiche Schicksal ereilen könnte wie uns, waren aber alle freundlich und hilfsbereit. Die folgenden Orte waren Spachendorf, Raase, Karlsberg und Rautenberg. Es ging rauf und runter. Altvatergebirge, der Altvater hat eine Höhe von 1492m. Den Berg runter musste fest gebremst werden. Den Berg rauf mussten alle, außer Tante Marie, vom Wagen. Die dritte Kuh wurde vorgespannt und wer Kraft hatte, musste schieben helfen.
Trotzdem erinnere ich mich gut, dass wir viel gesungen haben, z.B. „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt.“. Für uns Kinder war das ja schon die große weite Welt!
Irgendwann sind wir auf den Leisnitzer Kuh-Treck gestoßen, die Freude war riesengroß. Zwei unsere Kühe waren vorne wund gelaufen. Die Leisnitzer halfen uns, die Vorderhufe unserer Kühe, mit Eisenplatten zu beschlagen. Der Dietrich-Schmied führte die Arbeit fachkundig aus. Nun liefen auch unsere Zwei wieder normal ohne Schmerzen. Die dritte Kuh hatte gute Hufe, sie lief sich nicht wund. Gemeinsam mit den Anderen ging jetzt der Treck langsam, aber dafür in einem geregelten Ablauf von Ort zu Ort.
Wir waren vorerst nur unter Deutschen. Im Sudetenland war es nicht anders als bei uns. Schließlich gehörten wir ja alle zusammen.
Die nächsten Orte waren Weißkreuz, Neurode, Giersing, Schönwald und Treublitz.
Jeden Tag kamen wir ca. 20-30 Km vorwärts. Sonntags war Ruhetag damit wir die heilige Messe besuchen konnten.
An einem sehr heißen Tag, kurz vor Mährisch Aussee, fing unsere dritte Kuh an zu kalben. Wir mussten aus dem Treck ausscheren und uns ein Quartier suchen.
Die übrigen Leisnitzer zogen weiter, wir waren wieder alleine.
An der linken Seite am Ortseingang von Mährisch Aussee fanden wir Unterkunft, also süd-westlich vom Altvatergebirge im Sudetenland. Es wird wohl Anfang April gewesen sein. Keiner ahnte, dass wir ca. 4 Wochen bleiben würden.
Unsere Kühe kamen in einen leeren Ziegenstall. Wir durften mit im kleinen Haus wohnen, obwohl es für die Besitzerin mit ihren Kindern schon eng war. Die Kuh brachte ein gesundes Kälbchen zur Welt. Wir haben es gehegt und gepflegt bis es schlachtreif war.
Unsere Gastfamilie freute sich über frisches Fleisch. Die Milch wurde sowieso geteilt. Wir haben sogar gebuttert wie in alten Zeiten.
Eines Morgens haben wir in der Kirche unsere Tante Anna ( Mutters Schwester) aus Leimerwitz getroffen. Sie war mit ihren drei Töchtern Gitta, Kläre und Elli mit zwei Kühen und Wagen hier gelandet. Die Freude war riesengroß.
Mittlerweile war es Frühjahr geworden. Vater und ich haben mit unseren Kühen bei einem Kuhbauer den Acker bestellt. Für unsere Arbeit bekamen unsere mageren Kühe Futter, was besonders wichtig war: die Tiere blieben fit, das konnten wir später gut gebrauchen. So hat alles im Leben sein Gutes.
Was wir allerdings noch nicht ahnten: Das Schwierigste lag noch vor uns. Die Zeit ging dahin in der Hoffnung, Alles möge sich zum Guten wenden. Oft erfuhren wir, wo in unserer Nähe Höfe, die Flüchtlinge beherbergten, von Partisanen überfallen worden waren. Es wurden sogar Flüchtlinge erschossen.
Die Leute, denen wir das Feld bestellten, waren sehr wortkarg und sprachen oft Tschechisch, was wir nicht verstanden.
Der Leisnitzer Kuhtreck war auch nicht mehr weit gekommen, manche waren in Müglitz geblieben. Es herrschte Trecksperre und keiner durfte weiter fahren. Die Straßen wurden für das Militär gebraucht. Am 5. Mai 1945 sagten uns Soldaten: „In zwei Tagen ist der Krieg zu Ende. Seht zu, das ihr hier weg kommt. Fahrt auf deutsches Gebiet, die Tschechen schlagen bald los“.
Heimkehr?!
Vater sagte: „Sofort anspannen!“. Wir haben uns gesammelt und sind mit sieben Fuhrwerken am 5. Mai ab Mährisch Aussee und am 6. Mai ab Müglitz abgefahren.
Es ging Richtung Glazer Bergland, also Richtung Nord-Westen über Hohenstadt, Rotwasser und Grulich. In Bohnischau hatten wir wieder deutschen Boden unter den Füßen. Die Angst vor den Tschechen lag hinter uns. Als wir hinter Mittenwalde waren, war der Krieg zu Ende. Die Orte, durch die wir jetzt fuhren waren alle menschenleer.
Von Hohenstadt bis Rengersdorf vor Glatz ging es fast immer bergauf. Die Strecke war manchmal so steil, dass vier oder sogar sechs Kühe vorgespannt werden mussten. Jeder half Jedem. Der Zusammenhalt war vorbildlich. Auf der Höhe bei Glatz, vor Reichenstein, wir fuhren schon Richtung Heimat, begegneten wir den ersten russischen Soldaten. Unser Erstaunen und die Angst waren groß.
Die fuhren westwärts, wir ostwärts. Die mit Pferden, wir mit Kühen.
Nach einer Weile hieß es auf einmal: „Stoj!“. Wir mussten ein totes Pferd von der Straße räumen. So weit wie es ging fuhren wir um die Dörfer herum, um so wenig Russen wie möglich zu begegneten. Ab und zu wurden wir angehalten und nach Uhren durchsucht, wenn sie eine oder zwei Uhren hatten, durften wir weiterfahren. Eine Frau war mit mehreren kleinen Kindern und ihrem jüngeren Bruder im wehrfähigen Alter unterwegs. Der junge Mann musste sich immer verstecken und verkleiden. Die Russen fischten alle möglichen Soldaten heraus und nahmen sie mit. Wir haben große Einzäunungen gesehen, vollgepfercht mit ehemaligen Soldaten. Die wurden dann in Richtung Russland getrieben. Vor Oberglogau, war eine Straßensperre aufgebaut. Alle Fuhrwerke mussten die dritte Kuh abgeben. Unsere Dritte ersetzte Tante Annas zweite Kuh, die gerade gekalbt hatte. Nach dem Kalben sah das Tier krank aus und die Russen wollten es nicht haben. Auf diese Weise konnten wir drei Kühe behalten.
Hinter Oberglogau sind wir noch durch Gläsen gefahren, dort wohnte die zweite Schwester meines Vaters. Das Gehöft war verlassen.
In der Woche vor Pfingsten waren wir wieder in Leisnitz. Die Freude war riesengroß und die Begrüßung der Leisnitzer, die schon zurück oder dageblieben waren, war überwältigend. Nach und nach kamen der restliche Kuhtreck und einige Pferdefuhrwerke, die den russischen Frontbereich nicht überwunden hatten, zurück. Tante Anna und wir waren gerade in unseren Hof gefahren und wollten anfangen die Wagen abzuladen, da tauchten die ersten Russen auf. Sie durchsuchten die Wagen. Alles was ihnen gefiel nahmen sie mit. Jetzt waren wir so weit gefahren, einmal rund um den Altvater und sein Gebirge, wir waren nie ausgeplündert worden, wir hatten immer Glück gehabt. Und nun: “Noch keine zwei Stunden zu Hause und das Elend fing erst richtig an“.
Wir haben die Kühe hinter Strohballen versteckt und hoch in der Scheune hinter Stroh geschlafen. Ins Haus trauten wir uns nicht. In Leisnitz waren außer einem Kommandanten mit Kommandantin sonst keine Russen. Die Russen, die wir zu fürchten hatten, waren aus den umliegenden Garnisonen. Es waren immer Offiziere und Kommissare, die in die Dörfer zum Plündern fuhren, einfache Soldaten kamen aus ihren Quartieren nicht raus. Es gab auch einen, von Russen eingesetzten, Bürgermeister in Leisnitz. Herr Muscholl, ein Verwandter vom Purschke Schuster aus unserer Nachbarschaft. Herr Muscholl sprach polnisch und stammte aus dem oberschlesischen Industriegebiet. Er listete uns auf und sagte uns: „Alle Kühe, bis auf eine, müssen abgegeben werden.“. Eine unserer Kühe ging zu Wawersiks, die Zweite zu Drechslers. Herr Muscholl wurde schnell von den Russen durch Herrn Ciesla aus Leisnitz ersetzt. Jetzt war er sogenannter Bürgermeister.
Die Tage vergingen voller Angst. Unser großes Haus wurde uns zum Verhängnis. Durchfahrende Russen meinten, bei uns muss noch was zu holen sein. Dabei waren wir arm wie Kirchenmäuse, noch nicht einmal Salz in die Suppe hatten wir. Alle Arbeitsfähigen, mein Vater, Martha, Hedwig und die Cousinen mussten nach dem Kreuzwald arbeiten gehen. Morgens am Denkmal antreten, dann unter russischer Bewachung, Abmarsch und spät abends in Kolonnen zurück. Sie waren dafür am sichersten. Viel sicherer, als wir Daheimgebliebenen. Wenn Russen auf unser Haus zukamen, hauten wir in die Getreidefelder ab.
Nach einigen Wochen kamen polnische Personen, aus dem Raum Krakau und fingen an durch die Häuser zu stromern. Was gefiel nahmen sie mit. Auch liefen polnische Männer mit Armbinden und Gewehren herum. Einmal kamen zwei sehr gut angezogene Männer, die sehr gut deutsch sprachen, bei uns plündern. Sie nahmen Vaters Zimmermannswerkzeug mit. Auf den Einwand er brauche das noch, sagten sie: „Das brauchen sie nicht mehr, sie kommen nach Sachsen oder Bayern“. Sich zu wehren war sinnlos, man wurde dann mitgenommen und eingesperrt.
Am 29. Juni 1945 kam eine große, von kleinen Pferden gezogene, polnische Fahrzeugkolonne. Immer eine Familie auf jedem Wagen. Sie verteilten sich im Dorf und nahmen Höfe in Besitz, selbst solche, wo die Leisnitzer Besitzer da waren. Viele Leisnitzer waren in Bayern und durften nicht zurück, ihre Höfe standen leer. Jetzt verschlechterte sich alles. Wir wagten kaum noch uns zu bewegen. Die Kühe mussten jetzt an die polnischen Familien abgegeben werden. Es wurde auch ein polnischer Bürgermeister eingesetzt, der wohnte auf dem Hof von Steiers. Die Nahrungsmittel wurden immer knapper, es gab keinerlei Versorgung. Auch später, als die Polen ein Geschäft im Dorf hatten, hatten wir keine Zloty. Unser Geld war nichts wert und gearbeitet wurde für die Polen umsonst. In unserem Haus hatte sich das polnische Landratsamt für den Unteren Kreis eingerichtet. Wir waren mit sieben Personen in der Waschküche zusammen gedrängt. Martha musste für den polnischen Sekretär umsonst im Haushalt arbeiten. Schink Alfred musste jeden Tag Brennholz für die Büros besorgen. Meine Mutter verbrachte die meiste Zeit damit, Körner auf der Kaffeemühle zu mahlen. Die ca. 740 Deutschen hielten gut zusammen. Einer half dem Anderen, jeder teilte was er hatte. So haben wir uns ein Jahr durchgeschlagen.
Bis zur Vertreibung am 8.Juli 1946.
Sammelpunkt war das ehemalige Kloster Maria Treu in Leobschütz. Am nächsten Tag mussten alle zum Bahnhof. Vor dem Bahnhof war eine Sperre mit langen Tischen aufgebaut. Das Wenige, was wir hatten musste auf die Tische geschüttet werden, gute Sachen wurden weggenommen, das Übrige wurde auf den Boden geschoben, wo wir alles einsammeln konnten. Dann stiegen wir in Güterwaggons, die Fahrt in Richtung Westen ins Sammellager Friedland begann. Dort wurden wir freundlich aufgenommen und erhielten die Zuweisung der neuen „Heimat“.
Nach insgesamt ca. zwei Wochen Fahrt kamen wir in Wipperführt an. Zusammen waren wir ca. 700 Personen, dann wurden wir auf die umliegenden Städte und Gemeinden verteilt. Unsere Familie landete in Opladen im Rheinland. Alle Leisnitzer sind von Anfang an voll integrierte Bürger ihrer heutigen Städte und Gemeinden geworden. Viele wirken im Gemeinschaftsleben, im öffentlichen sowie im religiösen Leben voll mit. Heute unterscheidet sich keiner mehr von der rheinischen Bevölkerung. Unsere alte Heimat haben wir nie vergessen und deren Verlust können viele nur schwer verschmerzen.

© Walter Krautwurst